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Lein, die Basis von Leinöl bzw. Leinsamenöl, gehört neben Linse, Gerste, Emmer und Einkorn zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Bereits in der Steinzeit nutzten die Menschen zu Beginn des Ackerbaus die robuste Pflanze.
In Mitteleuropa und im Nahen Osten diente Lein oder Flachs schon vor 6000 Jahren zur Faser- und Ölgewinnung. Die Ägypter verehrten die Pflanze als „Pflanze des Lichts" und umwickelten ihre Pharaonen im Grab mit Leintüchern.
Der lateinische Name Linum usitatissimum verweist in seiner wörtlichen Bedeutung Lein am nützlichsten auf die vielseitige Verwendung der Pflanze.
Schnelle Fakten zu Lein
| Wissenschaftlicher Name | Linum usitatissimum |
| Familie | Leingewächse (Linaceae) |
| Weitere Namen | Flachs, Saat-Lein, Gemeiner Lein |
| Ursprung | Europa, Nordafrika, Mittelasien, Indien |
| Verwendete Teile | Samen, Stengel |
Der unkomplizierte Anbau und seine Widerstandskraft trugen mit Sicherheit zum guten Ruf des Leins bei. Anfang des 19. Jahrhunderts war Lein auf einem Viertel der gesamten deutschen Ackerfläche weit verbreitet. Die Industrie nutzte ihn in erster Linie als Textilrohstoff.
In den 50er Jahren wurde er durch die Einführung der Baumwolle aus ganz Europa verdrängt. Vor rund 100 Jahren war Leinöl nahezu das einzige Speiseöl in Deutschland.
Fahrt ins Blaue
Berlin war eine regelrechte Hochburg für die Herstellung von Leinöl. Rund um die Stadt baute man in Brandenburg die Pflanze in großem Stil an. Die Berliner Bevölkerung erfreute sich bei traditionellen „Fahrten ins Blaue" an den blühenden Leinfeldern — daher stammt die Redewendung.
Herstellung von Leinöl
Hochwertiges Leinöl wird kalt aus reifen Leinsamen gepresst. Da Leinöl sehr empfindlich gegenüber Sauerstoff, Licht und Wärme ist, kommt es vor allem auf eine frische, sortenreine Pressung in kleinen Mengen an. Traditionell wird Leinöl in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen hergestellt. Auch Spreewald-Leinöl hat einen besonderen Ruf.
Geschmack
Leinöl hat ein charakteristisches, intensiv-nussig-heuiges Aroma. Es ist kräftig, leicht herb und sollte nicht bitter schmecken — Bitterkeit ist ein Hinweis auf eine zu lange Lagerung oder ungeeignete Bedingungen.
Leinöl in der Küche
Leinöl wird ausschließlich kalt verwendet. Es passt klassisch zu:
- Quark mit Pellkartoffeln — das berühmte Spreewald-Gericht „Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl"
- Salaten — besonders zu kräftigen Wintersalaten
- Smoothies und Müsli — ein Esslöffel über das Frühstück
- Brot — pur mit etwas Salz aufs Vollkornbrot
- Suppen — wenige Tropfen als finales Topping
Worauf beim Kauf achten?
Leinöl-Qualitätsmerkmale: kaltgepresst, Abfüllung in kleinen, dunklen Flaschen, mit klarer Angabe des Pressdatums. Frisches Leinöl darf gerne nach Heu, Wiese und Nüssen schmecken — aber niemals bitter oder ranzig.
Lagerung
Geöffnetes Leinöl gehört in den Kühlschrank und sollte innerhalb von 4-6 Wochen aufgebraucht werden. Geschlossene Flaschen halten ca. 3 Monate, wenn sie kühl und dunkel gelagert werden. Achte beim Einkauf auf das Pressdatum: Je frischer, desto besser.