Bereits in der Antike kannte man das Verfahren der Destillation, um ätherische Öle herzustellen. Im Mittelalter wurde dieses Wissen in den Klöstern weitergetragen — aus Kräutern brannten die Mönche damals Elixiere, die im Kontext der mittelalterlichen Klostertradition standen. Diese hochprozentigen Destillate nannte man auch aqua ardens (brennendes Wasser).
Erst im 16. Jahrhundert begann sich Alkohol als Genussmittel zu etablieren. Gleichzeitig wurden Verfahren zur Destillation von Getreide entwickelt — aus diesen Wurzeln entstanden landestypische Brände wie Schottischer Whisky, französischer Cognac oder russischer Wodka.
Genever — Ein Original aus den Niederlanden
Die genaue Herkunft des Gins ist nicht eindeutig geklärt. Als Vorläufer gilt der niederländische Genever. Der deutsch-niederländische Arzt Franz de la Boe brannte im 17. Jahrhundert in Leiden aus der Wacholderbeere (niederländisch Genever) einen Wacholderschnaps. Das Destillat erlangte schnell große Beliebtheit, und der Arzt beauftragte Brennereien mit der Herstellung von Genever, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken.
Vom Genever zum London Dry Gin
Im späten 17. Jahrhundert kam Genever durch holländische Soldaten und Wilhelm III. von Oranien nach England. Schnell entwickelte sich daraus die britische Variante: der Gin. Im 18. Jahrhundert erlebte London die berüchtigte „Gin Craze" — eine Phase, in der Gin extrem günstig und in großen Mengen verfügbar war.
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts entstand mit dem Aufkommen der Säulendestillation der berühmte London Dry Gin — trocken, klar und mit einer dominanten Wacholdernote. Diese Stilrichtung prägt bis heute den weltweiten Gin-Markt.
Renaissance des Gins
Nach Jahrzehnten, in denen Gin als altmodisch galt, erlebte er ab den frühen 2000er Jahren eine bemerkenswerte Renaissance. Neue, kleine Manufakturen experimentieren mit ungewöhnlichen Botanicals — von Bergamotte über Hibiskus bis zu regionalen Kräutern wie Heidekraut oder Lindenblüten. Heute gibt es weltweit Tausende von Gin-Marken, jede mit eigener Handschrift.
Die Klassifizierung
- London Dry Gin: Trocken, klar, dominante Wacholdernote, keine Zusätze nach der Destillation
- Dry Gin: Trocken, aber weniger streng reglementiert als London Dry
- New Western Gin: Botanicals statt Wacholder im Vordergrund
- Old Tom Gin: Leicht süßer Stil aus dem 18. Jahrhundert
- Plymouth Gin: Geschützte Herkunftsbezeichnung — nur aus Plymouth
- Sloe Gin: Likör aus Gin mit Schlehen