Rechtlicher Hinweis (alkoholische Getraenke): Nach EU-Health-Claims-Verordnung und Paragraph 11 LFGB sind fuer Getraenke mit mehr als 1,2 Prozent Alkohol jegliche gesundheits- oder krankheitsbezogenen Werbeaussagen verboten. Wir beschraenken uns daher auf Geschichte, Herstellung, Geschmacks- und Cocktail-Tradition. Genuss verantwortungsvoll, kein Verkauf an Personen unter 18 Jahren.
Gin ist eine destillierte Spirituose auf Wacholderbasis und in der heutigen Barkultur nicht mehr wegzudenken. Er dient als Basis diverser Cocktails und dem wohl bekanntesten Longdrink der Welt: dem Gin & Tonic.
Schnelle Fakten
- Gin muss mindestens einen Alkoholgehalt von 37,5 % besitzen. In der Regel liegt der Alkoholgehalt eher bei 40-50 %, da der Geschmack damit runder wirkt. Ab einem Alkoholgehalt von 57 % spricht man von Navy Strength.
- Fuer die Herstellung von Gin wird in der Regel Alkohol aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen (Agraralkohol aus Getreide oder auch Kartoffeln) genutzt.
- Gin muss laut EU-Spirituosenverordnung spuerbar nach Wacholder schmecken.
- Neben der Wacholderbeere werden haeufig weitere, sogenannte Botanicals hinzugefuegt. Eine Begrenzung gibt es hierbei nicht. Allerdings muessen diese einen natuerlichen Ursprung haben.
- Gin ist in der Regel farblos. Ausnahmen sind fassgelagerte Sorten wie Reserve Gin, der sich meist gold-gelb bis braun verfaerbt. Auch Bathtub bzw. Compound Gins sind leicht gelblich.
Geschichte des Gins
Die Wurzeln des Gins liegen in den Niederlanden. Bereits im 17. Jahrhundert wurde dort Genever (Jenever) hergestellt — ein malzig-aromatischer Vorgaenger des heutigen Gins. Mit der Glorreichen Revolution 1688 brachte Wilhelm III. von Oranien-Nassau die Genever-Tradition nach England, wo sie zur "Gin Craze" des 18. Jahrhunderts fuehrte.
Im 19. Jahrhundert entstand mit dem Coffey-Still-Verfahren die Moeglichkeit, sehr reinen Alkohol kontinuierlich zu destillieren. Daraus entwickelte sich der trockene London Dry Gin, der bis heute als Standard gilt.
Die moderne Gin-Renaissance begann Anfang der 2000er Jahre. Heute gibt es weltweit tausende von Gin-Marken — von grossen Industrieherstellern bis zu kleinen Handwerks-Destillerien.
Herstellung von Gin
- Basisalkohol — meist neutraler Agraralkohol (Getreide, Kartoffel, Melasse)
- Auswahl der Botanicals — Wacholderbeeren sind Pflicht, dazu kommen meist 5-30 weitere Botanicals wie Koriander, Engelwurz, Zitrusschalen, Kardamom, Lakritzwurzel, Iriswurzel und vieles mehr
- Mazeration oder Dampfinfusion — die Botanicals werden mit dem Alkohol in Beruehrung gebracht
- Destillation — in einer Kupferbrennblase (Pot Still) wird der aromatisierte Alkohol destilliert
- Verschnitt — der Gin wird mit Wasser auf Trinkstaerke verduennt
- Abfuellung — meist ohne weitere Reifung, ausser bei Reserve- oder Fassgereiften Gins
Gin-Sorten im Ueberblick
- London Dry Gin — der klassische, trockene Stil mit dominantem Wacholder; Botanicals werden nur in der Destillation zugefuegt, kein Zucker
- Distilled Gin — Botanicals werden destilliert, danach koennen aber Aromen und Zucker zugefuegt werden
- Plymouth Gin — geschuetzte Herkunftsbezeichnung aus Plymouth, England
- Old Tom Gin — leicht gesuesste, historische Variante
- Navy Strength — mindestens 57 % vol
- Compound Gin / Bathtub Gin — durch Mazeration aromatisiert, ohne Destillation
- New Western / Contemporary Gin — moderne Stile mit anderen Botanicals als Wacholder im Vordergrund
- Reserve / Aged Gin — im Holzfass gelagert
Wie trinkt man Gin?
- Gin & Tonic — Klassiker, im Verhaeltnis 1:3 mit Tonic Water im Ballonglas
- Martini — Gin mit Dry Vermouth, klassischer Cocktail
- Negroni — Gin + Sweet Vermouth + Campari
- Gimlet — Gin + Limettensaft + Zucker
- Tom Collins — Gin + Zitronensaft + Zucker + Soda
- French 75 — Gin + Zitronensaft + Zucker + Champagner
- Pur auf Eis — vor allem Premium-Gins koennen pur genossen werden
Gin und Tonic — die perfekte Paarung
Bei der Wahl des passenden Tonic Waters ist das Geschmacksprofil des Gins entscheidend. Klassische Wacholder-betonte Gins (London Dry) passen gut zu Indian Tonic, fruchtige New Western Gins zu Mediterranean Tonic, kraeuterbetonte Gins zu Elderflower oder Dry Tonic.
Aufbewahrung
Gin ist als Spirituose lange haltbar. Lagere ihn dunkel, kuehl und stehend (nicht liegend wie Wein). Geoeffnete Flaschen verlieren mit der Zeit etwas Aroma — innerhalb von 1-2 Jahren aufbrauchen ist sinnvoll.